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Unter Tempeln begraben
 

 

Dr. Renate Franke (1996)

 

 
 

In heutiger Zeit, bei fortschreitender Digitalisierung der Welt, beim dramatischen Anwachsen technischer Daten, Zeichen und Kürzel, bei raschem Zugriff auf eine Überfälle abrufbereiter Bilder und Zahlen, k�nnen die Chancen der Kunst nur in der persönlichen Botschaft, nicht in der hektischen Anpassung an aktuelle Tendenzen liegen. Das Individuum ist nicht berechenbar. Es ist allein die schöpferische Phantasie, die Vielfalt geistiger Produktivität, die den Menschen von Maschinen und von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Individuell geprägte Bildwerke und Bilder sind sinnlich fassbare Zeugen des Schöpferischen.

"Ein echtes Kunstwerk"- sagt Goethe - "bleibt, wie ein Naturwerk, für unseren Verstand immer unendlich, es wird angeschaut, empfunden; es wirkt. Es kann nicht eigentlich erkannt, viel weniger sein Verdienst mit Worten ausgesprochen werden."

Dedo Gadebusch studierte Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Berlin, "nebenbei" - wie er es nennt - absolvierte er eine Ausbildung als Schlosser und Schweißer. Seit 1959 ist er als freier Bildhauer und Maler tätig. Seine Werke findet man im Stadtraum und in Museen - so stehen beispielsweise sein "Großer Wagenlenker" und sein Brunnen "Unter Tempeln begraben VII" im Technikmuseum Berlin.

Unter Tempeln gebraben VII

Dedo Gadebusch hat seine künstlerische Haltung einmal so beschrieben: "Ich wäre gern ein Phantast, wenigstens ein Idylliker, und ich bestaune neidischen Herzens die zeitgenössischen Bastler des Kunstbetriebs, die der Welt selbst da, wo die Knochen knacken, ein delikates Ambiente verpassen, in dessen Glanz es sich gut leben läßt." Für Gefälligkeiten oder Schönfärbereien ist, wie man sieht, bei Gadebusch kein Platz.

Er führt uns indessen auch keine Visionen vor Augen, es geht ihm auch nicht um vordergründige, am Einzelfall angesetzte Kritik: Gadebusch geht es ums Ganze, um die Lage der Menschen in diesen Zeiten, um schicksalhafte Situationen und Entwicklungen. "Frühzeitig geimpft gegen allgemeine Lebenslügen" stellt er seine Werke ins Spannungsfeld der Weltzustände und ihrer Bedingungen.

 

Gadebuschs Skulpturen wirken - mit Deformationen und Zeichen der Hinfälligkeit unter schweren Lasten - schon prima vista desillusionierend: "Signale der Unruhe" hat Paul Corazolla die in steter "Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Daseins" geformten Bildwerke Dedo Gadebuschs genannt.

Großer Wagenlenker

Dedo Gadebusch besitzt die fabelhafte Fähigkeit, assoziationsträchtige Motive in der Geschichte, in der Kunst oder auch im Alltag, zu entdecken und sie für die eigenen Intuitionen zu nutzen. Im "Römischen Tagebuch", einem 1976 begonnenen "Konvolut aus figürlichen Szenarios und farbigen Assemblagen" schreibt er zu den Fundorten: "Es begann gewissermaßen römisch/archäologisch und endet vorläufig im Woolworth-Warenhaus."

Diese Konstellation hat sich für Dedo Gadebusch inzwischen nur wenig verändert: Mit sinnbildhaften Figurationen "Unter Tempeln begraben", dem zeitlos aktuellen "Verhör", mit "Hommagen" an den großen Visionär psychischer und physischer Deformationen Francis Bacon, arbeitet er sich durch Zeit und Welt, durch die eigenwilligen Themen des "Theatrum mundi" (Blei, 1976/80).

Hommage á Bacon - Ringträger -

"Kunst - sagt Gadebusch - ist ein Versuch, die Welt für sich zu erklären." Die Zeiten, in denen dieser oder jener Darstellungsstil als progressiv oder konservativ einzuordnen war, sind heute wohl endlich beendet. Was zählt, ist einzig und allein das Werk, sind persönlich geprägte, kunstvoll in Spannung gehaltenen Gebilde - erfundene Wirklichkeiten, geschaffen aus Geist und Intuition.

  

 

 

     

 

   
     
 
     
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